P&R-Pleite: Der größte deutsche Anlageskandal aller Zeiten

P&R ist pleite

Die Anzeichen für das Aus des Container-Giganten reihten sich seit Ende des vergangenen Jahres in unheilvoller Art und Weise aneinander. Branchenkenner und Analysten schlugen Alarm: Jährliche Mietunterdeckungen von zum Teil deutlich über 150 Millionen von 2014 – 2016, ein Umsatzeinbruch im Neugeschäft von 40 % im vergangenen Jahr, der Verdacht eines „Schneeballsystems“. Dann wurden plötzlich fällige Zahlungen an Anleger nicht termingerecht geleistet nur um wenige Tage später die Vermittler aufzufordern, keine P&R-Anlagen mehr zu verkaufen.

Insolvenz von drei P&R Unternehmen

Und dann ging’s Schlag auf Schlag: Am 15. März wurde für die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH und die P&R Container-Leasing GmbH Insolvenz angemeldet. Am 19. März bestellte das Amtsgericht München zwei Anwälte aus der Münchner Kanzlei Jaffé als Insolvenzverwalter.

Mehr als 51.000 Anleger, die ihr Geld in das Geschäft mit Frachtcontainern investiert haben, sind von der P&R-Pleite betroffen. 3,5 Mrd. € Anlegergelder stehen im Feuer. Der größte deutsche Anlegerskandal aller Zeiten nimmt seinen Lauf.

7 Mrd. € mit Container-Direktinvestments umgesetzt

Das im Jahr 1975 gegründete Unternehmen betreute zuletzt eigenen Angaben zufolge für mehr als 51.000 Anleger insgesamt rund 1,25 Millionen Container. Vereinfacht funktionierte das Geschäftsmodell so, dass die Kunden direkt Frachtcontainer erwarben und deren Eigentümer wurden. P&R übernahm die Vermietung der Container und garantierte den Anlegern die Mieteinnahmen. Nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums kaufte P&R die Schiffscontainer dann von den Anlegern zurück. Alleine im vergangenen Jahrzehnt wurde nach Angaben von P&R auf diese Weise ein Verkaufsvolumen von deutlich über 7 Milliarden Euro abgewickelt.

Betrieb P&R ein Schneeballsystem?

In den letzten Jahren wurde immer öfter der Verdacht geäußert, dass P&R ein Schneeballsystem praktiziere. Eine besondere Rolle scheint dabei die im schweizerischen Zug ansässige P&R Equipment & Finance Corp. zu spielen, über die die deutschen P&R Emittenten von Direktgeschäften ihre Geschäfte abgewickelt haben. Stefan Loipfinger, der seit Jahrzehnten den Markt Grauer Kapitalanlagen beobachtet, kommt in seinem Online-Dienst Investmentcheck zu dem Ergebnis, dass sich die Mietunterdeckungen in den Jahren 2014 – 2016 auf gigantische 42 % belaufen haben. P&R hat während dieser Zeit an die Anleger Mietzahlungen geleistet, obwohl sie selbst keine Mieteinnahmen in der entsprechenden Höhe erzielt hat.

Nach den Recherchen von Loipfinger lagen auch die P&R Containerpreise weit über den Marktpreisen. So wurden die gebrauchten Container in den Angeboten 5001 und 5002 zu möglicherweise weit überteuerten, nicht marktgerechten 2.635 € bzw. 2.450 € je Container angeboten. Auch die von P&R für die gebrauchten Container nach 5 Jahren (die Container sind dann rund 10 Jahre alt) in Aussicht gestellten Rückkaufpreise waren maßlos überteuert. Gerade an dieser Stelle müssen sich auch die Banken und Anlageberater, die die Container-Direktinvestments von P&R vertrieben haben, fragen lassen, ob sie ihrer Verpflichtung, das Angebot auf Plausibilität zu prüfen, nachgekommen sind.

Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass der Markt für Seefrachtcontainer seit langem in der Krise steckt. Neubaupreise und Mieten bewegen sich seit Jahren immer weiter auf einem historisch niedrigen Niveau. Dennoch enthielten die Angebote für P&R Container-Direktinvestments zum Teil Kaufpreise und Mieten, die weit über Marktniveau lagen. Auch die angenommenen Rückkaufpreise lagen weit über den Schätzwerten für gebrauchte Container.

Da verwundert es nicht, dass auf frühere Container-Direktinvestments mit neuen Containern nach deren Ablauf teilweise ähnliche neue Angebote für gebrauchte Container folgten. Wurden hier die gebrauchten Container zu weit über den Marktpreisen liegenden Kaufpreisen an- und an Anleger weiterverkauft und damit Rücknahmeverpflichtungen erfüllt?

Schadenersatz gegen am Vertrieb beteiligte Banken und Finanzberater

Für die Anleger, die P&R Container erworben haben bedeutet all dies nichts Gutes. Am erfolgversprechendsten erscheint es derzeit, gegen die Vermittler der P&R Container vorzugehen und zu versuchen, Schadenersatzansprüche durchzusetzen.

Es stellt sich die Frage, ob Banken und Finanzberater, die die Container ihren Kunden verkauft haben, das Geschäftsmodell tatsächlich auf Herz und Nieren geprüft haben.

Fraglich ist auch, ob die Risiken, die mit dem Rückkauf der Container verbunden waren, immer ausreichend deutlich dargestellt worden sind. Von zahlreichen Anlegern weiß ich, dass der Rückkauf als garantiert dargestellt wurde und die Frage, ob die Kaufpreise für Ankauf und Rücknahme marktgerecht sind, nicht thematisiert wurde.

Auch die erheblichen finanziellen Risiken, denen man als Eigentümer eines Containers ausgesetzt ist, wurden nicht thematisiert.